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Zum gegenwärtigen Stand der Aufklärung der Umstände des Todes von Herrn William Tonou-Mbobda am UKE Hamburg

Presseerklärung
Autorin: Dipl. Soz. MPH Gabriele Morin Elias, Mitglied des Vereins GBPH e. V.
 
Zum gegenwärtigen Stand der Aufklärung der Umstände des Todes
von Herrn William Tonou-Mbobda am UKE Hamburg
Der Tod des Studenten aus Kamerun, der in der Klinik für Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf stationär behandelt wurde und am 25. April 2019 infolge bisher nicht im Detail geklärter Umstände im UKE verstorben ist, hat sowohl in Hamburg als auch deutschlandweit große Bestürzung ausgelöst.
Der Verein GBPH hat von Anfang an kontinuierlich den Stand der Ermittlungen und die bisher eher zögerliche Veröffentlichung von Ermittlungsfortschritten im Hinblick auf die genauen Abläufe und Verantwortlichkeiten verfolgt.
Wir haben nicht nur Gespräche mit unterschiedlichen Personen (Zeugen, Klinikmitarbeiter*innen, Parteiangehörige) geführt. Wir haben zudem die bisher vorliegenden Veröffentlichungen des UKE (Aktuelle Informationen der Pressestelle des UKE vom 25. 04., 26. 04. und 29. 04. 2019) im Hinblick auf ihren Informationsgehalt hin überprüft.
Unsere sachliche Analyse und Auswertung der uns zugänglichen schriftlichen Informationen lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:
  1. Das UKE selbst zeigt sich in dieser Angelegenheit bisher wenig „auskunftsfreudig“.
  2. Der Einsatz des Sicherheitsdienstes innerhalb der Psychiatrie ist offensichtlich ein Spezifikum der Klinik für Psychiatrie des UKE.1
Wir sind der Meinung, dass bisher erst wenige Anhaltspunkte im Hinblick auf die Aufklärung des Todes von Herrn Tonou-Mbobda am UKE vorliegen. Wir fragen uns daher,
  • welche „Not- und Gefahrensituation“ in diesem Fall vorgelegen haben mag, sodass drei Personen des Sicherheitsdienstes eingesetzt wurden.
  • welche Fachkraft am UKE das Vorliegen einer solchen Situation mittels des Einsatzes welcher Methoden festgestellt hat.
Unklar bleibt auch, wer überhaupt befugt war, die Aufforderung zum „Eingreifen und Abwenden“ dieser „Not- und Gefahrensituation“ zu erteilen.
Vor diesem Hintergrund fordern wir vordringlich die Klärung und Beantwortung folgender Fragen:
  • Warum wurde der Sicherheitsdienst bei Herrn Tonou-Mbobda hinzugezogen?
  • Welche Rolle spielte das ärztliche und pflegerische Fachpersonal bei dem Studenten aus Kamerun im Rahmen der letztendlichen Eskalation mit Todesfolge?
  • Über welchen fachlichen und zeitlichen Erfahrungshintergrund (Art der Fachausbildung und Jahre an ausgewiesener Berufserfahrung) verfügt das in diesem Fall tätig gewesene Fachpersonal?
  • Weshalb wurde der Wunsch von Herrn Tonou-Mbobda, seine seelische Krise ohne die Einnahme von Medikamenten zu bewältigen, nicht respektiert?
  • Wer war für die Veranlassung der gewaltsamen Verabreichung von Medikamenten und für die Fixierung des Patienten verantwortlich?
  • Wer trägt bei Anwendung der gegenwärtigen gesetzlichen Regelungen die eigentliche Verantwortung?
  • Herr Tounou-Mbobda wurde später auf der Intensivstation des UKE behandelt und verstarb dort. Welchen Anteil hatte das laut Zeugen offensichtlich brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte an seinem Tod?
  • Wird bei der Untersuchung des Vorgehens der Sicherheitskräfte ebenfalls ermittelt, ob und in welchem Ausmaß bei einer Person (oder bei mehreren Personen) rassistische und fremdenfeindliche Motive eine Rolle gespielt haben?
  • Warum wurde die Obduktion des Leichnams am UKE selbst durchgeführt und nicht – wie z. B. von der Partei Die Linke angeregt – an einem externen Institut?
  • Warum wurde nicht zumindest die Anregung des gesundheitspolitischen Sprechers der Fraktion der Partei Die Linke aufgegriffen, ein zweites rechtsmedizinisches Gutachten einzuholen?
Bei der rechtlichen Klärung der genauen Todesursache fordern wir die Berücksichtigung von Urteilen des Bundesgerichtshofes über vergleichbare „Fälle“.
Einen dringenden Handlungsbedarf im Hinblick auf die Beschleunigung der Aufklärung der genauen Todesumstände von Herrn Tonou-Mbobda sehen wir insbesondere bei der Klinikleitung des UKE, der Leitung der Klinik für Psychiatrie, der Wissenschaftsbehörde und der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz.
Unser tiefes Mitgefühl gilt weiterhin besonders den unmittelbaren Angehörigen von Herrn William Tonou-Mbobda und den Menschen in seinem sozialen Umfeld. Wir hoffen, dass die wöchentlich stattfindenden Mahnwachen vor dem Gebäude W 37 des UKE und die dadurch zum Ausdruck gebrachte mitmenschliche Anteilnahme insbesondere der Familie des Studenten aus Kamerun Trost spenden können.
 
Hamburg, den 15. Juni 2019
Der Vorstand
Bernd Andreas Czarnitzki                               Rita Frömming                                    Reiner Ott
(verantwortlich im Sinne des Presserechts)
1 Infolge der schriftlich zum Ausdruck gebrachten Forderungen der beiden Parteien Die Linke und FDP zur Klärung der Befugnisse des Sicherheitsdienstes im UKE hat der Senat gemäß seiner schriftlichen Antwort vom 03. 05. 19 bis dahin Folgendes in „Erfahrung bringen“ können (Drucksache 21/17007, S. 2 und 3): Innerhalb der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie des UKE wird der Sicherheitsdienst auf „Anforderung hin bei notwendig werdenden Deeskalierungs- und Sicherheitsmaßnahmen“ unterstützend aktiv, „soweit die erforderlichen Maßnahmen durch das anwesende medizinische Personal allein nicht mehr zu gewährleisten sind“ (ebda., S. 2).

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