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Presseerklärung Zum Vorfall am 21.04.2019 am Hamburger UKE

Presseerklärung

 Zum Vorfall am 21.04.2019 am Hamburger UKE, welches den Tod des Menschen Herrn Tonou-M zur Folge hatte

Am 21.04. kam es zu einem Übergriff seitens der Sicherheitskräfte vom UKE auf den Patienten Herrn Tonou-M. Herr Tonou-M hat sich freiwillig in die Behandlung des UKE begeben und dort Hilfe und Unterstützung gesucht. Laut Medienberichten zur Folge soll Herr Tonou-M zum Zeitpunkt des Zugriffs/Übergriffs friedlich im Außengelände gesessen haben und sich bei einer Zigarette versucht haben, zu entspannen. Weiterhin wird von rassistischen Äußerungen des Personals während des Vorfalls gemutmaßt. Nach den uns vorliegenden Informationen soll zu diesem Zeitpunkt kein Beschluss nach dem Hamburger PsychKG vorgelegen haben. Lediglich von einer Anregung zu einem Beschluss soll angedacht gewesen sein. Seit diesem Übergriff lag Herr Tonou-M im Koma auf der Intensivstation des UKE.

Am Freitag den 26.04.2019 erlag Herr Tonou-M  den Folgen dieses Übergriffes.

Der Verein Genesungsbegleitung und Peerberatung Hamburg (GBPH) e.V. ist bestürzt über diesen Vorfall und den sich nun gezeigten Folgen. Wir trauern mit den Angehörigen um den Verlust dieses Menschen.

Wir vom Verein GBPH e.V. verurteilen aufs Schärfste die Vorgehensweise seitens des Sicherheitsdienstes des UKE!

Aus uns vorliegenden Betroffenen-Berichten, soll dieses am UKE kein Einzelfall gewesen sein. Uns liegen Informationen vor, nach denen das Sicherheitspersonal einer jungen Frau gewaltsam in den „Rücken gesprungen“ ist, sie  zu Boden drückte und die Ärzte mittels Spritze die junge Frau ruhig gestellt haben.

Folgende Fragen stellen sich uns:

  • Ist es am UKE (und in anderen Hamburger Kliniken) üblich, dass Sicherheitspersonal unterstützend hinzugerufen wird, um das Klinikpersonal bei Maßnahmen durch das PsychKG zu helfen?
  • Ist dieses Sicherheitspersonal geschult im Umgang mit Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung?
  • Haben die Sicherheitsmitarbeiter Schulungen erhalten in deeskalierenden Maßnahmen?
  • Wer entscheidet bei Maßnahmen nach dem Hamburger PsychKG?
  • Ist es das  medizinische Personal oder agiert das Sicherheitspersonal eigenverantwortlich?
  • Wann und durch wen wird die Polizei bei solchen Vorfällen hinzugezogen?
  • Wie werden solche Vorgänge, die im Rahmen des PsychKG geschehen, dokumentiert?

In diesem Zusammenhang möchten wir gerne unser Ehrenmitglied Dorothea Buck zitieren.

Sie hat ihr ganzes Leben für eine bedürfnisangepasste Psychiatrie gekämpft und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet.

Sie erhielt zwei Klassen des Bundesverdienstkreuzes: 1997 das Verdienstkreuz 1. Klasse, 2008 das Große Verdienstkreuz. Im Februar 2017 verlieh ihr der Senat der Hansestadt Hamburg die Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes in Silber.

Ihr liegt es bis heute sehr am Herzen, dass in der Psychiatrie mit den Menschen gesprochen wird und sie einen würdevollen und menschlichen Umgang erfahren, damit sie ihre Lebenskrisen ohne Schaden überwinden können.

Sie sagt: „Solange wir miteinander reden, bringen wir uns nicht um“

Ihr ist es zu verdanken, dass wir in Hamburg das trialogische Psychose-Seminar am UKE haben, in dem sich die Menschen (Betroffene, Angehörige, Ärzte, Psychologen) regelmäßig austauschen und unterstützen. Auch an anderen Orten gibt es diverse trialogische Veranstaltungen, weil man gemerkt hat, dass diese den Menschen helfen und für mehr Verständnis sorgen.

Dorothea Buck unterstützt die aktiven Genesungsbegleiter mit Rat und ihren eigenen Erfahrungen und es ist ihr sehr wichtig, dass Genesungsbegleiter ein fester Bestandteil im psychiatrischen System werden und dafür auch eine wertschätzende Entlohnung erhalten.

Hamburg, den 27.04.2019

 

Der Vorstand

Bernd Andreas Czarnitzki                  Rita Frömming                           Reiner Ott

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